Story 10

Frischzellenkur fürs Geschäft

Koehler Innovative Solutions bringt über Kooperationen mit jungen, aufstrebenden Unternehmen frische Ideen ins eigene Haus. Wie das funktioniert und warum solche Partnerschaften für beide Seiten sinnvoll sind, erläutert Philipp Prechtl, der den Bereich verantwortet.

Herr Prechtl, wenn ein etablierter, traditionsgeprägter Papierhersteller wie Koehler Paper die Nähe zu jungen, innovativen Unternehmen sucht – ist das nicht ein Widerspruch?

Philipp Prechtl Überhaupt nicht. Sich durch Innovationen von Produkten und Prozessen hervorzutun, hat Koehler schon immer sehr gut verstanden. Das ist unsere Herkunft. Nun ergänzen wir dieses Feld quasi „von außen“ und machen es dadurch noch stärker. Unser Ansatz ist, nach Partnern mit kreativen Ideen zu suchen, mit diesen in eine Kooperation zu gehen und uns in der Folge eventuell auch zu beteiligen, wo sinnvoll. Aber nicht um jeden Preis und nicht in die Breite, sondern immer fokussiert auf den Nutzen für unser Kerngeschäft und die Lieferkette. Wir sind kein Finanzinvestor.

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neue Kollaborationen pro Jahr – das ist das angestrebte Ziel von Koehler Innovative Solutions, um innovative Partnerschaften zu fördern.

Welche Rolle spielt dabei das zweite Geschäftsfeld der Koehler-Gruppe, Koehler Renewable Energy? Sie wollen bis 2030 mehr Energie aus erneuerbaren Energien gewinnen, als für die eigene Papierproduktion benötigt wird.

Prechtl Eine wichtige Rolle. Auch hier suchen wir nach interessanten Partnern. Das könnte beispielsweise ein junges Unternehmen sein, das sich mit Energiespeichern oder Wasserstoff befasst und dort eine famose Idee „auf die Straße bringen“ will. Oder auch den Kreislaufgedanken in unseren Biomasse-Kraftwerken weiter unterstützt. Tatsächlich ist hier das Spektrum enorm. Grundsätzlich gehören aber Nachhaltigkeit und das Denken in Generationen einfach zu unserer DNA.

Sie sind ein Verfechter des sogenannten Venture Clienting. Das setzt im Gegensatz zum bekannten Venture Capital auf Partnerschaft statt auf reine Geldspritzen. Können Sie das an einem Beispiel näher erläutern?

Prechtl Für ein Start-up können wir ein erster Kunde sein und gemeinsam die bestehenden Produkte weiterentwickeln. nucao aus Leipzig wäre so ein Beispiel. Dort hat man den Schokoladenmarkt neu gedacht und setzt komplett auf nachhaltige Produkte. Ein sehr innovatives Unternehmen, mit dem wir in regem Austausch sind. Seit Ende 2022 verpackt nucao eine erste Produktlinie in eine Primärverpackung aus unserem Papier – als erster Schokoladenhersteller auf dem Markt.

Ein spezielles Verpackungspapier aus dem Hause Koehler Paper.

Prechtl Richtig. Unser Koehler NexPlus® Advanced verfügt über eine hervorragende Sauerstoff-, Mineralöl- und Fettbarriere, die für den direkten Kontakt mit Schokolade und Nüssen zwingend notwendig ist. nucao greift also nicht nur einen zentralen Konsumentenwunsch nach mehr Nachhaltigkeit auf, sondern nimmt auch mit der Verpackung eine Vorreiterrolle im Schokoladenmarkt ein – eine echte Win-win-Situation auch für uns. Die Zusammenarbeit hat unsere Sparte „FlexTech“ initiiert.

Wie werden Sie denn auf diese vielversprechenden Newcomer aufmerksam? Haben Sie Talentscouts, wie man sie beispielsweise aus dem Fußball kennt?

Prechtl Bei uns heißt das tatsächlich genauso. Je jünger ein Start-up ist, desto schwieriger findet man es nämlich. Zunächst gilt es, den Fokus festzulegen. Um in Ihrer Analogie zu bleiben, suchen wir ein Talent in der Verteidigung, im Mittelfeld oder Sturm und beantworten die Frage, welche Eigenschaften dieses haben soll. Wir arbeiten gerne und gut mit dem Gründernetzwerk UnternehmerTUM der TU München zusammen, das Größte seiner Art in Europa. Dort holen wir uns viel Inspiration. Das Netzwerk auszubauen und uns als Partner für Start-ups bekannt zu machen, ist eine wesentliche Aufgabe in der Aufbauphase.

Partnerschaft mit Perspektive

Welche Themen spielen für Koehler Paper als Papierhersteller die tragende Rolle?

Prechtl Das sind insbesondere Themen wie Nachhaltigkeit in allen Bereichen, zum Beispiel Energiespeicherung oder CO2-Reduktion. Wir haben aktuell spannende Kontakte zu Climate Tech-Start-ups. Dabei geht es um Technologien zum Eindämmen des Klimawandels. Darüber hinaus ist Künstliche Intelligenz ein für uns hochrelevantes Anwendungsfeld: Auf diesem Gebiet tut sich gegenwärtig enorm viel, das ist sehr spannend zu begleiten. Hier ist mir eines wichtig: In Sachen KI geht es für uns darum, Arbeiten zu erleichtern, nicht Arbeitsplätze zu ersetzen, wie das derzeit gerne als globales Horrorszenario gezeichnet wird. Wenn wir mehr von dieser „äußeren Intelligenz“ in unsere inneren Bereiche bringen, kann das unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten. Sie haben dann mehr Zeit für das Wesentliche. Grundsätzlich sind die entstehenden Zusammenarbeiten mit Start-ups auch Entwicklungsprozesse. Da geht es darum, gemeinsam eine Idee weiterzuentwickeln. Natürlich muss auch die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmen. Und irgendwann kommt wie immer im Geschäftsleben der Punkt, an dem man sich kritisch hinterfragen muss: Was hat es uns gebracht?

Ist es das, was ein Traditionsunternehmen ausmacht – Ideen und Trends zu erkennen, die langfristig Bestand haben?

Prechtl Da ist doch das Thema Nachhaltigkeit das beste Beispiel. Familienunternehmen denken in diesem Punkt ohnehin ganz anders. Sie orientieren sich viel stärker an solchen Werten und denken in Generationen. Wir haben Koehler Renewable Energy bereits 2012 gegründet, deshalb sind wir hier heute auch so weit. Das prägt die Koehler-Gruppe. Es gibt viele Unternehmen, die haben Nachhaltigkeit auf der Agenda, eher weil man es machen muss. Wir tun es, weil wir uns dem Thema verpflichtet fühlen und weil wir überzeugt sind, dass es uns als Unternehmen, die Gesellschaft und die Umwelt in vielerlei Hinsicht weiterbringt.

Philipp Prechtl, Bereichsleiter von Koehler Innovative Solutions (Foto: )

„Für ein Start-up können wir erster Kunde und Entwicklungspartner zugleich sein.“

Philipp Prechtl

Bereichsleiter von Koehler Innovative Solutions

Hat ein Familienunternehmen mit einer nachhaltigen Unternehmenspolitik Vorteile auf dem Arbeitsmarkt?

Prechtl Ich kann mich nur dauerhaft als attraktiver Arbeitgeber positionieren, wenn ich Werte lebe, die für die Gesellschaft relevant sind. Wie sollte ich das denn bei jungen Generationen verargumentieren, wenn mich Nachhaltigkeit nicht interessieren würde? Oder nehmen Sie junge Konsumentinnen und Konsumenten: Was nicht nachhaltig produziert wird, wird nicht gekauft. Wir haben die Pflicht, etwas Sinnstiftendes zu hinterlassen.

Die Impulse einer Zusammenarbeit mit einem Start-up – gibt es da auch Abstrahleffekte auf die eigene Unternehmenskultur?

Prechtl Das sehe ich so. Ein Unternehmen unserer Größe mit seinen vielfältigen Fachbereichen funktioniert zunächst ganz anders. Bei einem Start-up geht es darum, schnell ein Produkt zu entwickeln. „Fail fast and cheap“, heißt das Credo. Aber lösungsorientiert zu sein, ohne Denkschranken, ist ein guter Impuls auch für uns. Es ist wie eine Frischzellenkur fürs Geschäft.
Das ist eben auch das Charakteristische an der Jugend, dass sie die Welt neu denkt. So entsteht Innovation.

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